So werde ich Castmember in DLP aka die prägendste Zeit meines Lebens!

Davon träumen so viele. Einmal in Disneyland Paris zu arbeiten. Aber wie funktioniert das eigentlich? Was muss ich tun? Wo muss ich hin? Welche Sprachen muss ich sprechen können? Wo schlafe ich? Was verdiene ich? Wo esse ich? Und die wichtigste Frage überhaupt: Kann ich dann für immer ins Disneyland Paris rein? Ich versuche hier alle eure Fragen zu beantworten und etwas Licht ins Dunkeln zu bringen.

Warum habe ich eigentlich in Disneyland Paris gearbeitet? Dies ist meine Geschichte:

Die Frage ist wieso nicht? 😀 Angefangen hat alles schon 2006. Ich habe im Park meinen 18. Geburtstag gefeiert und auch das hatte einen ganz besonderen Grund. Da mein Papa früher Reisebusfahrer war und oft die Fahrten nach Paris genommen hat, durften meine Schwester und ich sehr oft (lasst uns einfach sagen immer) ihn nach Paris/Disney begleiten. So haben wir quasi jede Ferien dort verbracht. Es war so oft, dass meine Mitschüler schon immer die Augen verdreht haben, als uns die Lehrerin gefragt hat, was wir in den Ferien gemacht haben. „Bitte fragen sie Franzi nicht Frau Kretschmer! Sie wird uns wieder mit Disneyland nerven!“.

Also war es natürlich selbstverständlich meinen 18. im Land der Maus zu feiern. Und genau dort kam mir die Frage: „Hey! Hier arbeiten ja richtige Menschen! Kann ich das auch?“. Zugegeben, als man kleiner war hat man die sogenannten Castmember nicht so ganz für voll genommen. Schließlich standen die Figuren und Attraktionen im Vordergrund, daher war mir das gar nicht so bewusst, dass hier weit mehr als Tausend Menschen arbeiten. Zu dieser Zeit der „Bewusstseinserweiterung“ war ich mitten in meiner Ausbildung zur Restaurantfachfrau, daher wollte ich erstmal das eine zu Ende machen, bevor ich mich auf was Neues konzentriere.
2007 war es dann so weit. Ich hatte mich beim Arbeitsamt erkundigt wie man dort genau reinkommt. Vor 12 Jahren konnte man ja nicht ganz so viel im Internet recherchieren, wie heute. Sie haben mir dann einen Termin gesagt, an dem Die „The Walt Disney Company“ in Berlin aufschlagen wird. Es gab ein richtiges Casting wo man sich vorstellen musste, seinen Lebenslauf abgegeben hat und verschiedene Gespräche führen musste. Natürlich gab es einen hübschen Mickey Maus Aufsteller und überall stand das Logo auf den Unterlagen. Fangirl Moment 1000!
Der einzige Knackpunkt und ziemlich naiv von mir damals gewesen: ich konnte kein Französisch. Ich hatte 4 oder 5 Jahre in der Schule Französisch, aber das hat einfach nicht gereicht um komplette Sätze zu formulieren. Das führte dazu, dass ich die einzige Zahl die ich damals konnte und das war die 19 dix-neuf (so alt war ich nämlich zu dem Zeitpunkt) eigentlich überall eingebaut habe, um wenigsten etwas Eindruck zu schinden. Natürlich wollte man mich Aufgrund meiner beruflichen Qualifikationen direkt in die Gastronomie stecken, was ich aber nicht so gerne wollte. Alles in allem führte das dazu, dass ich nicht weiter gekommen bin. Gott sei dank, muss man sagen, denn es war einfach nicht die richtige Zeit.
Angestachelt von dem Traum und Wunsch doch noch irgendwie in Disney zu arbeiten, habe ich mich direkt bei einem Sprachkurs angemeldet, den ich dann auch in Form von einer Abendschule besucht habe. Wieder beim Arbeitsamt nach einem neuen Casting-Termin gefragt und dann war es im Februar 2008 so weit. Meine zweite Chance war zum greifen nah. Diesmal an meiner Seite: meine große Schwester. Gestärkt durch den Französischkurs und mit familiärer Unterstützung an meiner Seite, wollte ich es unbedingt schaffen. Der Termin lief fast genauso ab wie der letzte. Es gab eine große Präsentation vom Disney-Universum inkl. einer Vorstellung des Parks und den verschiedenen Arbeiten die uns erwarten.
Man hat ja keine Ahnung was da für eine Maschinerie hinter allem steckt. Man kann als: Tänzer, Charakter, Kellner, Putzkraft, Techniker, Verkäufer, Security, Hostess, Ticketverkäufer und noch so viel mehr arbeiten. 15.000 Castmember gibt es alleine in Paris und die bestehen aus 100 verschiedenen Nationalitäten mit 20 verschiedene gesprochenen Sprachen.
Vor Ort konnte man sich entscheiden für welchen Bereich man sich genau bewerben möchte. Da ich mich nie in der Gastronomie wohl gefühlt habe, habe ich mich für den Hostess/Animation Bereich entschieden. Das heißt ich wollte gerne direkt an einer Attraktion arbeiten. Am liebsten bitte bei Phantom Manor, denn da sind die Kostüme so wunderschön! Der Tag war tatsächlich sehr lang und am Ende hat man weder eine Absage, noch eine Zusage bekommen. Sie wollten sich melden, wenn sie sich entschieden haben.

3 Wochen später hatte ich das Schreiben in meinen Händen. „Wir würde ihnen gerne einen befristeten Vertrag anbieten als Hostess für die Attraktion Casey Jr./Storybook. Beginn 26 April 2008!“ Und genau ab da sollte die Zeit meines Lebens beginnen!
Der Abflug war das Traurigste was ich je erlebt habe, aber es war auch lustig. Denn mein Koffer war mit 30 Kilo viel zu schwer! Schnell stellte sich auch heraus, warum?! Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich Deko-Elemente wie zum Beispiel Teelichthalter, kleine Schneekugeln, 8.000 Fotos und unwichtigen Schnick Schnack ganz dringend brauche!

Immerhin wollte ich mich gleich wie zu Hause fühlen. Wir konnten uns dann auf knapp 25 Kilo einigen. Wir hatten aber so sehr mit dem Abschiedsschmerz zu tun, dass mein Papa das Übergepäck dann doch einfach bezahlt hat. Meine Güte haben wir geweint. Ja ja man könne jetzt sagen, dass es wir ja immerhin noch auf dem gleichen Kontinent gelebt haben und man innerhalb weniger Flugstunden sich sehen konnte, trotzdem war das dass erste Mal, dass ich so lange von meiner Familie getrennt war.

Angekommen in Paris bin ich mit dem Disney-Shuttle nach Chessy gefahren und von dort mit der RER nach Val d’Europe. In der Nähe vom Einkaufszentrum gibt es eine kleine „Disney-University“ wo man sich anmelden sollte, wenn man da ist. Leider war ich 2 Stunden zu früh und ich sollte nochmal wieder kommen. Also setzte ich mich mit samt meinem fetten Koffer auf eine Parkbank und packte die Stullen von meiner Mama aus. Klischeehaft fing es an zu regnen aber ich wusste nich wohin…..ich kannte mich ja nicht aus. Also saß ich dort knapp 2 Stunden im Regen, mit meinen Stullen….und weinte.
Als es Zeit wurde, bin ich wieder rein und wurde dann erstmal kurz und knapp in Form von Papieren Willkommen geheißen. Ich musste alles mögliche ausfüllen und mir wurde meine Unterkunft zugeteilt.
Zu dieser Zeit gab es 3 verschiedene Appartement Anlagen.
La Boiserie: knapp 10 Minuten Busfahrt vom Park entfernt mit sehr großen Wohnungen mit Zimmer für bis zu 4 oder 6 Personen. 2 Bädern, ein kleiner begehbarer Kleiderschrank pro Zimmer und großem Balkon. GEIL! Hier will ich hin! (Dachte ich mir)
Louisiane: knapp 20 Minuten mit dem Bus vom Park und etwas kleiner von den Wohnungen her, aber viel größer vom Arsenal.
Les Pleiades: mit RER und zu Fuß knapp 20 Minuten zum Park und mit dem Bus knapp 30 Minuten. Sehr klein, etwas heruntergekommen, Zimmer für 2 Personen, kleinen bis gar keinen Balkon und naja….nicht meine erste Wahl.

Wie gut, dass ich eh nicht mitsprechen konnte. Für mich ging es natürlich in die Pleiades (Oder wir wir immer gesagt haben Pleiaden). Ich habe noch eine mega große Disney Tüte mit Bettzeug in die Hand gedrückt bekommen und dann wurde ich von einem Fahrer in die Apartment Anlage gebracht. Dort folgte mein „Check In“ mit Schlüsselübergabe und der Information, dass ich am nächsten Tag um 9.00 an der „Disney University“ am Hotel Cheyenne mich einfinden soll. Ab aufs Zimmer. Ich hatte mein Zimmer im fast letzten Gebäude auf dem Gelände und im Erdgeschoss. Lasst mich nicht lügen, aber ich glaube es waren nicht mehr als 10 bis 15 Quadratmeter die mir und meiner zukünftigen Mitbewohnerin zur Verfügung standen. Vom nicht vorhandenen Flur ging es in ein Minibad mit Dusche, einem fetzigen pinken Duschvorhang und passender Klobrille. Eine kleine Küchennische gegenüber vom Badezimmer und ein schmales Regalsytstem für unsere Sachen und was man sonst alles zum Leben braucht. Und dann waren da noch zwei Betten gegenüber aufgestellt und ein kleiner Balkon. Wir hatten Gott sei dank einen. Das war mein Zimmer. Schnell mit Fotos die Wände auf meiner Seite beklebt und in den Schlaf geweint 🙂

Rückblickend hatte das Appartement echt alles was man brauchte und man konnte es sich schön einrichten. Da meine Mitbewohnerin von ihren Eltern mit Auto Bericht wurde, hatten wir einen Fernseher, DVD Player, Staubsauger etc. Ich durfte liebesweise alles mitbenutzen. Sie war echt eine tolle Mitbewohnerin!
Nächsten Tag ging es mit dem Shuttle zum Hotel Cheyenne in die „Disney University“. Hier waren alle Neuankömmlinge aus Deutschland, die auf ihre Arbeit vorbereitet wurden. Man hat sich kennengelernt, vorgestellt, es gab Präsentationen die einem nochmal gezeigt haben wie mächtig Disney eigentlich ist. Mittagessen durften wir im Park einnehmen. Und genau dann fing es endlich an, so zu werden wie man es sich irgendwie vorgestellt hat. Man hat seine Castmember ID bekommen und einen Gutschein, damit sind wir in den Park und haben Hot Dogs gegessen. Ich wollte schon immer mal zu Casey´s Corner. Das war dann tatsächlich auch das letzte Mal.
Wow ich war die glücklichste Franzi! Mit einem offiziellen Ausweis einfach so in den Park und wieder raus….und wieder rein….“Können wir vielleicht kurz mal mit BTM fahren?“.
Das ging leider nicht, denn wir wurden  Backstage gebracht. Hier hatte man seinen Spind und die Kostümausgabe. Jede Berufsgruppe hat sein eigenes Kostüm. So auch meine. Dann wird natürlich nochmal in Attraktionen/Restaurant etc. entschieden, also bekam ich ein süßes blau/rotes Zirkusdompteur Kostüm. Sicherheitsschuhe und all das wurden direkt in den Spind gebracht. Danach haben wir noch unsere Nametags bekommen. Woho! Jetzt war ich also offizieller Castmember!

Nächsten Tag ging es dann samt Kostüm zu meiner Attraktion. Und wie sollte es anders sein, hat es in Strömen geregnet, ich habe alle meine französisch Kenntnisse vergessen und war total erkältet. Mir ging es also 1A….nicht! Mein XP, die die einen ausbilden und einen abschließenden Test mit einem machen ob man auch wirklich alleine hier arbeiten kann, konnte nicht so recht englisch also weinte ich gefühlt den ganzen Tag über. Er hat versucht das Beste daraus zu machen und hat mir erstmal das Fantasyland gezeigt…..mein Fantasyland. Wir sind mit Peter Pan gefahren, It´s a Small World, haben uns das Schloss angeschaut und er hat mir viel erklärt. Kurzum er hat einfach versucht mich abzulenken. Das hat auch ganz gut geklappt.
Dann wurden mir die einzelnen Stationen einer Attraktion erklärt. Tatsächlich steht man als Castmember nicht einfach nur 8 Stunden auf einer Stelle, sondern damit man immer schön aufmerksam bleibt, wechselt man die Positionen.
Das läuft wie folgt:
Grouper:
Hier steht man direkt am Einstieg und fragt die Gäste, wieviele Personen sie denn sind oder wie große die Gruppe ist. Dann teilt man sie auf die verschiedenen Wagen auf. Man „Groupiert“ also.
2 Personen auf die Nummer 1…..2 Personen auf die Nummer 2…Oh sie wollen nicht vorne sitzen? Ok dann bitte auf die Nummer 3 usw. Natürlich versucht man hier viele Wünsche umzusetzen, aber wenn es wirklich extrem voll ist, versucht man einfach schnell und höflich die Schlange „abzuarbeiten“. Muss man oft mit den Gästen diskutieren? Ja auch das kommt vor? Lassen ihre Eltern ihre Kinder in und auf die Deko im Wartebereich pullern? Ja auch das kommt vor….sagen wir mal so: nichts ist unmöglich. Halten Eltern ihre kleinen Babys/Neugeborenen vor die Sicherheitsbarre und wollen losfahren ohne dass das Baby gesichert ist? Na selbstverständlich.
Dispatch: hier sitzt man in dem Steuerhäusschen und entscheidet, wann der Zug losfährt, wann die Tore zu den Wagen geöffnet werden, schaut auf den Kamerabildschirmen ob alles gut läuft und hat natürlich eine Mega Verantwortung. Kommt es nämlich mal zu einem ungewollten Stopp oder einer Evakuierung, dann muss man diese Einleiten, die Vorkehrungen treffen wie zum Beispiel die Sicherheitsdurchsagen machen, Teamleader anrufen, so wie die Techniker usw.
Unload: Wie der Name schon erahnen lässt ist man dort, wo die Gäste wieder aussteigen aber kontrolliert auch die Sicherheitsbarren. Sprich ob alle gut angeschnallt sind.


Dann ging es weiter zu Storybook. Diese Attraktionen gehören nämlich zusammen. Auch hier gab es Grouper, Dispatch und Unload. Wenn es sehr voll war, gab es noch eine Extraposition, die die Kinderwagen aus dem Eingang geschoben haben und dafür gesorgt haben, dass es sonst keine Probleme gibt.
An manchen Tagen wenn das Fantasyland dünn besetzt war, wurde ich auch im Labyrinth von „Alice’s Curious Labyrinth“ eingesetzt. Hier gab es nur eine Position und zwar der Grouper. Man war nur dafür da ans Telefon zu gehen, wenn es geklingelt hat und zu schauen, dass nicht zu viele Personen im Labyrinth waren. Hier gibt es nämlich eine bestimmte Anzahl, die gleichzeitig drin sein dürfen.
Für jede Position gab es nach ein paar Wochen (voller Heimweh, sprachlicher Missverständnisse und einer geprellten Rippe inkl. Krankenhaus-Aufenthalt mit Hand und Fuß Verständigung) einen Check out. Quasi wie eine kleine Führerscheinprüfung, ob man denn auch überall alleine klar kommt und weiß was man im Notfall zu tun hat. Von da an war ich auf mich alleine gestellt und wenn man erstmal den Dreh raus hat, war es einfach das coolste überhaupt!

Ich realisierte: Ich arbeite und DISNEYLAND!!! Cräzy Shit! Nach und nach habe ich auf Freunde gefunden und ziemlich schnell war man auch nicht mehr die Neue. Ich hatte den Vorteil, dass ich weit vor der Sommersaison angefangen habe. Sprich im Mai kamen sehr viele Neue an, die mich dann um Rat gefragt haben etc. Von dort an war ich angekommen und irgendwie ging das mit der Sprache auch sehr schnell. Spätestens wenn man sich mit einem Kollegen auf französisch streiten kann, weiß man dass man die Sprache kann 😉
Es war eine mega geile Zeit! Ich habe dort meine zwei besten Freunde kennengelernt, was die Erinnerung daran immer weiter frisch hält. Man ist an seine Grenzen gestoßen und hat sich selber von einer anderen Seite kennengelernt. Da sich die ganze Zeit eigentlich nur im Park abgespielt hat, war man so extrem fernab der Realität, dass ich tatsächlich auch extreme Schwierigkeiten hatte, nach meinem Vertrags-Ende im Oktober hier in Berlin wieder anzukommen.
Denn alles dreht sich um Disney. Chessy und Marne-la-Vallée. Diese Städte ja sogar ganze Gebiete leben vom Park und das merkt man. Gefühlt jeder arbeitet für Disney. Kein Wunder also, dass auch die meisten Pärchen im Park entstehen.

Disney ist ein sehr guter Arbeitgeber. Man hat viele Absicherungen wenn man dort arbeitet und viele Benefits. Der größte Bonus aber ist, dass man sich intern einfach so extrem weiterbilden kann. Du kannst von Attraktion zum Parking springen, von Restaurant zum Ticketing, vom Guest Flow zu den Hotels. Es ist einfach eine große Spielwiese und natürlich perfekt um SEINEN Job zu finden. Daher bleiben auch so viele dort „hängen“. Man kann sich super hocharbeiten. Vom Saison-Castmember bis hin zum Teamleader oder sogar Manager. Klar dauert das alles seine Zeit und man muss sich immer wieder bewerben aber die Möglichkeit besteht und das ist einfach ein Traum.
Da mir alles so gut gefallen hat, bin ich 2009 für 2 weitere Saisons nochmal hin. Im Frühjahr war ich wieder in „Les Pleiades“ und bei Casey Jr. eingeteilt und im Sommer für 3 Monate bei Autopia im Discoveryland und dann (endlich) auch in der coolen La Boiserie. Immerhin haben hier die meisten meiner Freunde gewohnt und es gab die meisten Partys. Es war einfach echt besser da. Meine Zimmermitbewohnerin war nie da, daher hatte ich das Zimmer für mich alleine. Meine Mitbewohner in der Wohnung allerdings waren kleine große Drecksäue. Gott sei Dank waren sie 3 Wochen weg, da konnte man sich wenigstens für ne kurze zeit wie zu Hause fühlen. Natürlich nachdem man geputzt hat.
Das ist natürlich auch immer so ein Ding. Das erste Mal 2008 hatte ich wie schon erwähnt eine französische Mitbewohnerin, die im Call Center für Disney gearbeitet hat und einen Freund in der Umgebung hatte, heißt also ich hatte das Apartment fast immer für mich alleine.
Im Frühjahr 2009 habe ich zusammen mit einer Italienerin gewohnt und diese hat weder mit mir geredet noch sauber gemacht. Man kann natürlich wahnsinnig Pech haben mit seiner Unterkunft, aber auch sehr viel Glück, was ich bei anderen Kollegen immer wieder gesehen habe. Letztendlich hat mich das aber nie davon abgehalten eine der schönsten Zeiten in meinem Leben zu haben!

Hier nochmal kurz und knapp die wichtigsten Fragen beantwortet!

Wo kann ich mich bewerben?
Auf der Disneyland Paris Career Seite findet ihr alle Infos, die ihr braucht. Egal ob die unterschiedlichen Kategorien, Branchen oder dann natürlich auch die Jobs.  Hier könnt ihr euch auch direkt auf einen bewerben oder erfahrt die Termine für die nächsten Castingtouren. Aktuell sind KEINE in Deutschland geplant.
Auch werden euch die verschiedenen Verträgen erklärt. Diese sind wie folgt:
CDD -> Contrat à durée déterminée, also einen befristeten  Vertrag. Diesen hatte ich 3 mal.
CDI -> Contract duration indeterminée, also für unbestimmte Zeit. Einen unbefristen Vertrag also.

Was brauche ich alles?
In erster Linie müsst ihr französisch sprechen können. Es ist absolut von Vorteil, wenn ihr in der Schule Französisch hattet, allerdings ist es noch besser, wenn ihr noch ein bisschen mehr könnt, als das was man in der Schule lernt. Natürlich bietet sich ein Sprachkurs an, aber manchmal hilft es schon, wenn man seine Lieblingsserie auf französisch schaut. Ich habe mir damals zum Beispiel immer „Sex and the City“ auf englisch mit französischen Untertitel und dann andersrum angeschaut. So wusste ich schnell, was was heißt und noch viel wichtiger wie die Wörter ausgesprochen werden. Jeder Streamingdienst bietet die Serien in verschiedenen Sprachen an.
Unterm Strich: Ja! Du MUSST die Sprache können. Englisch kommt gleich danach, aber du bist dann nun mal in Frankreich….

Brauche ich eine Ausbildung oder ein Studium?
Das kommt ganz drauf an, für welchen Job ihr euch bewerben wollt. Möchtet ihr in die Gastro oder Hotelbranche dort, ist eine Ausbildung absolut von Vorteil! Wie gesagt, ich bin gelernte Restaurantfachfrau und sie wollten mich in die Gastro stecken. Es wird also schon geschaut, was man für Referenzen hat. Aber, wenn man nicht ganz dumm ist und wenigstens einen Schulabschluss hat, sind das schon mal gute Vorraussetzungen. Umso mehr in eurer VITA steht, um so besser.

Sie kommen nicht nach Deutschland und haben keinen passenden Job online für mich?
Ein Wort: Türklinken putzen. Ok, das waren zwei ABER das hilft. Wenn ihr das unbedingt machen wollt, dann schreibt eine Initiativbewerbung. Hier könnt ihr direkt mit euren französisch Kenntnissen glänzen und euch vorstellen. Man weiß ja nie was sie vielleicht doch alles so in Petto haben. Wenn ihr in Zukunft im Park seid, dann fragt doch einfach an der Information in der City Hall nach! Warum nicht? Wenn ihr es unbedingt wollt, dann versucht alles was in eurer Macht steht 😉
Disney wird leider nicht zu euch nach Hause kommen und sie warten leider auch nicht auf euch <3

Wie läuft ein Arbeitstag ab?
Es gibt je nach Job verschiedene Schichten. Es wird aber immer sichergestellt, dass man keine Überstunden macht. Auch arbeitet ihr nie länger als 5 Tage am Stück. Disney ist darauf sehr bedacht. In der Nebensaison habe ich zum Beispiel 4 Tage a 10 Stunden gearbeitet und dann hatte ich 3 Tage am Stück frei. Wenn meine Tage gut fielen, hatte ich dann manchmal 6 Tage am Stück frei. Man hat auch immer 3 Pausen. 1 x 15 Minuten, 1 x 40 Minuten, 1 x 15 Minuten. Auch eine Schichtumstellung erfolgt nicht von jetzt auf gleich. Sollte man also mal um 23.00 Schluss haben, wird man NICHT nächsten Tag um 6.00 anfangen müssen. Ich kann hier echt nur positives sagen. Meine lieblings Schicht war die Closing Shift. Hier hat man bis Mitternacht gearbeitet und hatte den Park irgendwann für sich alleine. Der absolute Wahnsinn und eine meiner schönsten Erinnerungen!

Wo esse ich in meiner Pause?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich im Pausenraum im Backstage Bereich selbst etwas aufwärmen oder man geht zu den verschiedenen Kantinen oder Sandwichläden. Man wird nicht verhungern und hat eigentlich immer eine große Auswahl für einen kleinen Preis!

Was mache ich an den freien Tagen?
Das ist natürlich voll und ganz euch überlassen. Ihr könnt natürlich in den Park gehen, klar! Das habe ich in der Anfangszeit immer gemacht, aber ich bin auch oft nach Paris gefahren oder in die umliegenden Dörfer gefahren. Auch in Versailles war ich oft. Wenn ich längere Zeit am Stück frei hatte, bin ich sogar nach Berlin geflogen um meine Familie zu besuchen.

Welche Benefits hat man?
Auch das hat sich glaube ich, in den letzten Jahren etwas geändert. Man hat verschiedene Prozente auf zum Beispiel die Boutiquen und die Restaurants. Je nachdem wie lange man auch für Disney arbeitet oder was man für einen Vertrag hat, steigern bzw. ändern sich auch die Benefits. Ich habe dies immer als Goodie angesehen, denn für mich war es schon ein Benefit dort zu arbeiten.

Wo wohne ich?
Es hat sich natürlich so einiges verändert, seit meiner Castmember zeit. Immerhin liegen 10 Jahre dazwischen. Mittlerweile gibt es für die CDD Verträge nur noch die Pleaides oder die Boiserie. Hat man allerdings einen CDD für wirklich nur eine wirklich kurze Zeit wie einen Monat, dann kommt man in einer Residenz unter, die ein bisschen wie ein Apart Hotel ist. Also hier sind auch Küche etc. gegeben, aber man hat mehr das Hotelfeeling 😉 Die Kosten bzw. Die Miete wird vom Gehalt dann abgezogen.
Hat man einen CDI, dann sucht man sich alleine eine Unterkunft bzw. ein Apartment, da man ja eh vorhat, länger zu bleiben.

Was verdiene ich?
Kann ich einfach keine Angaben zu machen. Ich erinnere mich schlichtweg nicht daran. Ich weiß dass es für meine Zeit, mein Alter und Situation echt super war. Aber mehr kann ich nicht dazu sagen.

Wie verpflege ich mich vor Ort?
Jeder Castmember ist natürlich für sich selber verantwortlich. Das heißt ihr müsst für euch alleine einkaufen, Zimmer sauber machen etc. wie zu eben Hause auch 😉 Einkaufen war ich immer bei Auchan im Val d’Europe. Hier gibt es einfach alles was man braucht. Lebensmittel und Drogerieartikel etc. Es gibt auch in jeder Anlage Waschmaschinen, die man benutzen kann (und ja auch muss)

Würdest du es wieder tun?
Ohne Frage! Absolut Ja!  Da ich aber nicht einfach so aus meinem Alltag ausbrechen kann, habe ich mich davon verabschiedet. Ich hatte 3 tolle und unterschiedliche Erfahrungen und würde es immer wieder machen. Genauso und nicht anders! Diese Zeit hat mein Leben für immer geprägt. Ich habe nicht nur meine Freunde dort gefunden, die ich niemals missen möchte, sondern auch für mein Leben so viel gelernt! Und diese Erfahrung ist etwas ganz besonderes! Daher wird Disneyland Paris IMMER mein zweites zu Hause sein.

Ich wünsche euch viel Glück, wenn ihr tatsächlich mit dem Gedanken spielen solltet ein Castmember zu werden! Da 10 Jahre zwischen damals und heute liegen, kann es absolut sein, dass sich vieles wenn nicht sogar alles verändert hat.

Franzi

Hallo Ihr, ich bin Franzi und das ist meine Seite. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Disneyland, gelernt beim Radio, dann TV und nun freie Moderatorin und Redakteurin. Hier gibt es nur Dinge die mich wirklich interessieren und hinter denen ich auch stehe. Meine Arbeit und meine Erlebnisse. Dinge bei denen ich gelacht oder auch geweint habe. Ihr könnt euch sicher sein: Das bin zu 1000% ich!

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  • Liebe Franzi,

    was für ein toller Beitrag. Vielen Dank für diesen grandiosen Einblick. Es klingt einfach so unglaublich spannend und ich hätte auch absolut nichts dagegen, für ein paar Monate im Disneyland zu arbeiten – es klingt einfach fantastisch! Problem ist nur, ich spreche kein Französisch; nicht einmal das winzigste bisschen.

    In der Schule hatte ich kein Französisch, ich mochte die Sprache leider gar nicht, habe es daher gleich von Anfang an abgewählt, was ich mittlerweile natürlich bereue. Ich wohne direkt an der Grenze zu Luxemburg und arbeitstechnisch wäre es natürlich sehr von Vorteil, wenn ich Französisch sprechen würde, aber naja, bisher kam ich mit meinem fließenden Englisch auch ganz gut zurecht. Ob ich jetzt noch mal Lust auf einen Sprachkurs hätte – keine Ahnung. Ich habe in den letzten 5-6 Jahren nur Fortbildungen und Weiterbildungen bzw. Zweitausbildungen neben dem Job gemacht und wenn ich ehrlich bin, habe ich so langsam echt „die Schnauze voll“ vom Lernen 😀 😀 Bei mir muss es dann einfach weiterhin bei den Besuchen im Disneyland bleiben, aber das ist ja auch toll 🙂

    Es war jedenfalls unglaublich schön, diesen Beitrag zu lesen. Vielen Dank dafür!

    Liebste Grüße
    Ivy

  • COMMENT (1)

    1. Jackie 13th August 2019 at 2:46 pm -

      Danke, dass du deine Erfahrungen und deine „Magic Moments“ mit uns geteilt und uns somit einen kleinen Einblick in die Arbeitswelt im DLP gegeben hast. Der Beitrag ist dir echt gelungen: sehr ausführlich und übersichtlich!

      Den Traum im Disneyland zu arbeiten habe ich auch schon seit einiger Zeit und ich hatte auch wie du Französisch in der Schule. Ich liebe diese Sprache, aber auch nur, wenn ich zuhören darf… Selber Sätze formulieren kann ich gar nicht. Aber die Tatsache, dass du extra einen Sprachkurs für Disneyland genommen hast, inspiriert mich auch wieder an diesem Traum zu arbeiten. Denn die Sprachbarriere ist wirklich die einzige Sache, die mich noch daran hindert.

      Liebe Grüße aus Wien,
      Jackie <3

      Reply
    2. Ivy 09th August 2019 at 5:32 am -

      Liebe Franzi,

      was für ein toller Beitrag. Vielen Dank für diesen grandiosen Einblick. Es klingt einfach so unglaublich spannend und ich hätte auch absolut nichts dagegen, für ein paar Monate im Disneyland zu arbeiten – es klingt einfach fantastisch! Problem ist nur, ich spreche kein Französisch; nicht einmal das winzigste bisschen.

      In der Schule hatte ich kein Französisch, ich mochte die Sprache leider gar nicht, habe es daher gleich von Anfang an abgewählt, was ich mittlerweile natürlich bereue. Ich wohne direkt an der Grenze zu Luxemburg und arbeitstechnisch wäre es natürlich sehr von Vorteil, wenn ich Französisch sprechen würde, aber naja, bisher kam ich mit meinem fließenden Englisch auch ganz gut zurecht. Ob ich jetzt noch mal Lust auf einen Sprachkurs hätte – keine Ahnung. Ich habe in den letzten 5-6 Jahren nur Fortbildungen und Weiterbildungen bzw. Zweitausbildungen neben dem Job gemacht und wenn ich ehrlich bin, habe ich so langsam echt „die Schnauze voll“ vom Lernen 😀 😀 Bei mir muss es dann einfach weiterhin bei den Besuchen im Disneyland bleiben, aber das ist ja auch toll 🙂

      Es war jedenfalls unglaublich schön, diesen Beitrag zu lesen. Vielen Dank dafür!

      Liebste Grüße
      Ivy

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