Die kleine feine Wahrheit hinter den Kulissen der Fashion Week.

Die Fashion Week in Berlin ist vorbei.
Ich bin sehr froh, wieder in Jogginghose auf der Couch zu sitzen und zu chillen. Nebenbei lecker Schokolade essen und Chips….aber Moment mal, das habe ich auch letzte Woche getan.
Viele denken immer „Wow! Fashion Week, das ist Glamour und Glitzer!“ Natürlich kommt man schnell auf diesen Gedanken, denn die Bilder die man in den Zeitungen sieht oder in den Promi-Magazinen im TV sind voller Stars und Glamour. Das das aber, wie bei so vielen Dingen, nicht ganz der Wahrheit entspricht, kann man sich denken.
Wenn man nicht zu den Promis gehört, dann ist die Fashion Week ein Wettlauf gegen die Zeit und man rennt seinen Nerven hinter her.

Ein Einblick:
Da ich für joiz arbeite, also für die Presse, kann ich mich für jede Saison direkt bei der Mercedes Benz Fashion Week akkreditieren. Ich muss aber erstmal vorweisen, das und was ich die letzten Jahre für die Fashion Week gearbeitet habe und andere Dinge angeben. Darüber hinaus muss jeder 20€ zahlen, der sich über diesen Weg anmeldet. Dann bekommt man die Bestätigung und eine Liste mit den Kontaktdaten der Designer. Man wird ja nicht einfach so eingeladen, sondern muss jeden Designer einzeln anschreiben.
Da ich schon das fünfte Mal dabei bin, wissen viele Designer oder PR Firmen wer ich bin und laden mich schon von sich aus ein. Das ehrt mich sehr und motiviert mich, immer wieder hin zu gehen. Jeder Kontakt zählt, ist toll und wichtig.
Wenn man dann die angeschrieben hat, die einen persönlich oder für die Arbeit interessieren, heißt es warten. Kurz bevor die Woche startet gibt es die ersten Zusagen.
Damit steht man nun also auf der Gästeliste des Designers. Wo man sitzt erfährt man allerdings erst, wenn man an dem Tag des Geschehens vor Ort ein trifft. Auf vielen Einladungen steht, dass die Türe eine Stunde bevor die Show startet öffnen. Das aber fast jede zweite Show, wenn nicht sogar jede sich verspätet, hat man genug Zeit um sich im Zelt vor dem Brandenburger Tor um zu sehen.
Man kann sich gratis von Maybelline schminken lassen oder kann sich ein kleines Notizbuch von Leitz binden lassen. Letzteres geht sehr schnell, wobei man beim Schminken kaum die Chance hat ran zu kommen. Wer Hunger bekommt, kann sich eine Bretzel kaufen oder sich kostenlos einen Sektchen nehmen.
Kommen wir zum wichtigen: Wo man sitzt entscheidet darüber wie wichtig man ist.
Es gibt verschiedene Kategorien der Plätze. Die Arschkarte hast du, wenn auf deiner Einladung „SEETING“ steht. Du bist dazu berechtigt die ganze Show oben hinter der letzten Reihe zu stehen. Aber hey, dabei sein ist alles.
Bist du etwas wichtiger als die „SEETING“ Gäste, steht auf der Karte „FREE SEETING“. Das ist schon mal gar nicht so schlecht. Es gibt immer ein paar Reihen, die nicht reserviert sind, wo man sich dann also einfach so hinsetzen kann. Da sich diese Reihen meistens auch hinten befinden, hat man so auch keine Chance auf ein Goodie Bag. Was ein Goodie Bag? Jap dazu komme ich gleich.
Falls alle „FREE SEETING“ Plätze belegt sind, das kommt IMMER vor, dann muss man warten bis auf den reservierten Plätze die Gäste nicht kommen. Diese werden 2 bis 3 Minuten vor Show Start dann aufgefüllt. Es heißt also warten und nicht die Hoffnung auf einen Sitzplatz aufgeben. Kommt schon auch ich stehe nicht gerne.
Natürlich gibt es auch Karten, wo direkt deine Platznummer drauf steht, aber das erlebe ich selten. Leider. Da viele der Besucher die Regeln kennen und schon sich Tage vorher darauf vorbereiten, geht es manchmal fast so zu wie bei den „Hunger Games“. Jeder möchte sitzen. Keiner will stehen. Wer steht ist ein Looser und wer sitzt kann kurz auf wichtig spielen.
Die Erste und Zweite Reihe sind für wichtige Modejournalistn, Sponsoren oder Promis vorgesehen.
Ja Promis. Leider bist du heut zu Tage schon ein Promi, wenn du zweiter bei „Der Bachlorette“ geworden bist oder den achten Platz beim Dschungelcamp belegt hat. Diese sitzen dann in der ersten Reihe und werden wie im Zoo fotografiert. Ich meine damit jetzt nicht, dass die Promis Tiere sind. Eher dass die Fotografen fast bis zur eigenen Bewusstlosigkeit die Promis anschreien. Die erste Reihe bekommt garantiert immer ein Goodie Bag. Das sind die heiß begehrten Geschenktütchen, die locker mal einen Wert von bis zu 50 Euro oder mehr haben.
Manchmal gibt es Schokolade und das neuste Presseheft inklusiver aktueller Kollektion des Designers, manchmal heißt es aber auch „JACKPOT“. Dann freut man sich über Kosmetik, Gutscheine, Schmuck, Handy hüllen oder Parfüm und Shampoo. Natürlich wissen auch davon die Besucher. Also meistens die, die schon im Vorfeld wissen das sie keins abbekommen.

Womit vergleiche ich den Run auf diese Tütchen am besten…Könnt ihr euch noch an das Füllhorn bei den „Hunger Games“ erinnern…das was über Leben und Tot entscheidet?! Das sind die Goodie Bags. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich über solch ein feines Tütchen nicht auch freuen würde, aber meine Welt bricht nicht zusammen, wenn ich keins bekomme.

Ist die Show nach 10 bis 20 Minuten vorbei, hat man das Gefühl das man als Einzige weiß, was hier passiert ist. Alle schauen in ihre Handys. Twittern wie die Irren drauf los oder konzentrieren sich darauf, die „Germanys Next Topmodels“ dieser Welt zu fotografieren, die mit laufen. Hat man eben noch für die wundervolle Kollektion des Designers applaudiert, springen die ersten schon auf und rennen zum nächsten Event. Ja ich schau mir auch nicht den Abspann im Kino an aber bitte! Hat das nicht was mit Respekt zu tun? Respekt vor der Arbeit so vieler Leute die für diesen kurzen Moment alles geben. Die so lange darauf hingearbeitet haben? Respekt vor der Mode, die für jeden Designer eine eigene Botschaft hat.
Wenn man dann auch aufsteht, muss man eine ganze Weile warten bis man sich aus dem Catwalk Bereich befreit hat. Es gibt nur EINEN Ausgang. Die Treppen und Plätze sehen aus, denn hier haben gerade die Hunger Games stattgefunden und es gab keine überlebenden Goodie Bags.
Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich jedes Mal wenn es wieder los geht. Es ist sehr interessant und man lernt viele tolle Leute kennen. Ich bi auch jedes Mal dankbar, dabei sein zu dürfen. Das tue ich auch für den Sommer. Am schönsten ist es einfach nur da zu stehen und diese Menschen und die Welt zu beobachten. Ach und hey…wenn ich nicht da sein würde, würde ich jetzt nichts zum Schreiben haben. Danke Fashion Week und bis zum nächsten Mal.

Fotos@Paul Richter

Franzi

Hallo Ihr, ich bin Franzi und das ist meine Seite. Geboren in Berlin, aufgewachsen in Disneyland, gelernt beim Radio, dann TV und nun freie Moderatorin und Redakteurin. Hier gibt es nur Dinge die mich wirklich interessieren und hinter denen ich auch stehe. Meine Arbeit und meine Erlebnisse. Dinge bei denen ich gelacht oder auch geweint habe. Ihr könnt euch sicher sein: Das bin zu 1000% ich!

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  • Gut auf den Punkt gebracht.
    Ist schon amüsant zu sehen, wer wichtig ist bzw. sich dafür hält.
    Als Außenstehender mal eine Show zu sehen ist interessant, der Run auf die ersten Reihe(n) mit den Goodie-Bags ist zum kaputtlachen. Hinterher liegen die begehrten Tüten oftmals zerfleddert und natürlich leer einfach in der Gegend rum, dabei sind auch diese Bags eigentlich ein Design-Objekt. Scheint nur nicht jeder zu würdigen, oder reicht das Verständnis für Fashion bei manchen nicht über den Tütenrand hinaus??

  • COMMENT (1)

    1. Antje 25th Januar 2016 at 11:39 am -

      Gut auf den Punkt gebracht.
      Ist schon amüsant zu sehen, wer wichtig ist bzw. sich dafür hält.
      Als Außenstehender mal eine Show zu sehen ist interessant, der Run auf die ersten Reihe(n) mit den Goodie-Bags ist zum kaputtlachen. Hinterher liegen die begehrten Tüten oftmals zerfleddert und natürlich leer einfach in der Gegend rum, dabei sind auch diese Bags eigentlich ein Design-Objekt. Scheint nur nicht jeder zu würdigen, oder reicht das Verständnis für Fashion bei manchen nicht über den Tütenrand hinaus??

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